| Das kooperative Gen |
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Buchbesprechung: Joachim Bauer, Das kooperative Gen. Abschied vom Darwinismus. Hoffmann und Campe, 2008 Prof. Dr. med. Joachim Bauer lehrt als Universitätsprofessor an der Universität Freiburg. Er ist Arzt für Innere Medizin, Arzt für Psychosomatische Medizin sowie Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Nach dem Medizinstudium arbeitete er in der molekular- und neurobiologischen Forschung in New York und habilitierte in Innerer Medizin und Psychiatrie. Für seine Forschungsarbeiten erhielt er 1996 den renommierten Organon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie. Bauer war jahrelang in der Genforschung tätig und bringt überraschende Tatsachen. Gene geben ihre Informationen nicht nur durch Vererbung weiter, sondern unterliegen einer ständigen Regulation ihrer Aktivitäten, das gilt vor allem für die Gene der Kreislauf-, Blutzucker-, Hormon- und Stressregulation. Beinahe alles, was das Immunsystem zur Infekt- und Krebsabwehr leistet, hängt nicht vom 'Text', sondern der Regulation der Gene ab. Bauer zeigt in 'Das kooperative Gen' (2008) auf, dass "Gene in ihrer Aktivität fortlaufend durch Umweltfaktoren und Lebensstile reguliert werden und dies den weitaus grössten Einfluss darauf hat, ob wir gesund bleiben..." Im Zeitalter der Quantenphysik sind neue Weltsichten gefragt, die sich von überholten Dogmen (unumstößliche Lehrmeinungen) und Doktrinen (System von Ansichten und Aussagen, oft mit dem Anspruch, allgemeine Gültigkeit zu besitzen) der materialistischen Weltsicht ablösen und auf wissenschaftlicher Grundlage die Orientierung in unserer komplexen Welt erleichtern können. Die beiden wichtigsten Prinzipien des Lebens sind nach Bauer Kommunikation und Kooperation. "Lebende Systeme sind - auf allen Ebenen des Organismus - Kommunikatoren." Die großen Aufklärer der materialistischen Weltanschauung, Darwin, Marx, Freud und Nietsche, können heute nicht als Grundlage unseres Weltbildes und unserer Forschung verwendet werden. Auch der Aggressionstrieb, nach Sigmund Freud eine unverrückbare Konstante der menschlichen Natur, nach Konrad Lorenz ein primärer Instinkt des Menschen, muss anders gesehen werden. „In der modernen neurobiologischen Forschung findet weder das psychologische Konzept von Konrad Lorenz noch jenes von Richard Dawkins Unterstützung. Primäre Motivation des Menschen ist - dies hatte bereits Darwin erkannt - die Suche nach sozialer Akzeptanz und Bindung." „Charles Darwin war, ebenso wie Karl Marx und Sigmund Freud (die ihn beide intensiv und zustimmend rezipiert haben), einer der großen Aufklärer unseres wissenschaftlichen Zeitalters. Es fällt auf, dass sowohl Darwin als auch Marx und Freud eine besondere Art von Anhängerschaft hatten. Nicht ohne Ironie ist, dass sich Teile dieser Anhängerschaft – nicht alle – durch ein Verhalten auszeichneten, das zumindest Darwin und Freud abgelehnt hätten, weil sie es eigentlich überwinden wollten: eine unkritische, quasi-religiöse, in Teilen sogar sektiererische Glaubenshaltung“ Lothar Riedl
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