Seniorenanimation PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Eva Sachs-Ortner   

Das Besondere am alten Menschen ist seine Einzigartigkeit

Ausschnitt aus einem Interview von Eva Sachs-Ortner mit Lydia Tiefnig

S: Lydia, was bedeutet für dich persönlich Seniorenanimation?

T: Ich arbeite seit acht Jahren im Marienheim in der Senioren­animation, diese Arbeit stellt an mich täglich neue Herausforderungen und erfüllt mich, weil mich diese Aufgabe stets aufs Neue fördert und fordert. Damit mir dies gelingt, braucht es meine soziale Kompetenz, mein Einfühlungsvermögen und meine Liebe zu den Menschen. Es macht Freude zu erkennen, welche versteckten Talente in unseren Senioren schlummern, die man wecken kann, indem man den richtigen Schlüssel findet.

Gute Animation kann nur im Zusammenspiel mit dem Pflegepersonal funktionieren. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen gestalten wir einen Jahresplan, der sich durch alle Bereiche der Animation zieht. Die Tätigkeiten werden unterteilt in Jahres-, Wochen- und Tagesstruktur.
Der Nachtdienst bringt den entsprechenden Tagesplan an die dafür vorgesehene Orientierungstafel im Wohnbereich an. Am Morgen werden nach der Dienstübergabe die anstehenden Tagesaktivitäten durch besprochen, damit die Senioren im Rahmen der Körperpflege darauf vorbereitet und orientiert werden können.

Die Information von Seiten des Pflegepersonals über die im Laufe des Tages anstehenden Aktivitäten erfolgt mündlich und schriftlich in Form der Kalenderarbeit. Wir, das Pflegeteam, sind davon überzeugt, dass Orientierung durch klare Strukturen Sicherheit schafft.

Mein Dienst beginnt um 9:00 Uhr, um 9:30 starte ich mit der ersten Morgenrunde, die zweite Runde erfolgt gleich im Anschluss, eine Stunde später. Wichtig ist bei diesen Runden, dass sie kon­tinuierlich stattfinden. Durch das tägliche Training werden die körperliche Aktivität, die Kommunikation und die Selbstbestimmung gefördert. An einer Runde nehmen ca. 15 Personen teil und ich nehme positiv wahr, dass sich die Senioren sicher und aufgehoben fühlen, diskussionsbereit und aktiv sind.

Zu Mittag ist Zeit für die Dokumentation und Einzelbetreuung, wie z. B. 10-Minuten-Aktivierung, Gedächtnistraining, Kartenspiel oder ein Gespräch.

Am Nachmittag ab 14 Uhr sind wieder gemeinsame Aktivitäten geplant: Arbeiten im Jahreskreis, gemeinsames Gestalten von Festen, Dekoration für das Haus und Werkstücke zum Verschenken oder Verkaufen. Besonders unsere Damen sind sehr geschäftstüchtig, so hat z. B. Frau M. in meiner Abwesenheit einen Adventkranz um stolze 30.- € verkauft.

Einmal in der Woche findet eine Leserunde statt. Gelesen wird Aktuelles, Themen zur Jahreszeit, Sagen oder Geschichten, die wir gemeinsam auswählen. Zum gelesenen Text erarbeite ich Fragen, die wir danach besprechen. Jeden Mittwochnachmittag singen wir gemeinsam – Musik ist ein Schlüssel, der viele Türen öffnet. Menschen, die in der Merk­fähigkeit eingeschränkt sind, können Liedtexte problemlos mitsingen.
Die Liedtexte sind sehr breit gefächert, sie umfassen alte Schlager, Kinderlieder, Volkslieder und Kirchenlieder, die wir zu gegebenen Anlässen gemeinsam einstudieren.
Zum Singen gibt es auch meistens ein Gläschen Wein, was allerseits auf Zustimmung stößt.

Am Freitagvormittag findet regelmäßig Kochen im Jahreskreis statt. In der Fastenzeit gibt es den traditionellen Damnudel mit Ko-, den die meisten Senioren aus ihrer Kindheit kennen. Kochen im Jahreskreis findet in den jeweiligen Wohnküchen statt. Auch Senioren, welche nicht mehr aktiv daran teilnehmen können werden eingeladen und so über die olfaktorische und gustatorische Wahrnehmung stimuliert.

Beim gemeinsamen Kochen ist der soziale Umgang unter den Senioren sehr gut zu beobachten. Durch die eigene Sicherheit, die sie bei den ihnen bekannten Tätigkeiten erfahren, fällt es jedem leicht, dem anderen zu helfen.

Die Kochrunden sind für mich zwar sehr
anstrengend, machen aber auch Spaß. Jeder kennt sich aus, weiß ein Rezept, das aus seiner Sicht einzig richtig ist. Die große Kunst besteht darin, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.     
Wertschätzung erfahren die Senioren und ich von außen, wenn Angehörige Reindling, Kletzenbrot oder andere von uns selbst gekochte Speisen verkosten, mitessen oder gar kaufen.

(Den vollständigen Artikel finden die AGPK-Mitglieder in der Mitgliederzeitung 2011/2 ab Seite 5.)